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Auf den sizilianischen Spuren Seumes - Kunst und Architektur (Fortsetzung des Beitrags von Gerhard Kaucky)

Syrakus – Stadttor Porta Marina Ortigia

Syrakus – Stadttor Porta Marina Ortigia

S. 348: “In Syrakus ging ich durch alle drei Tore der Festung als Spaziergänger, ohne daß man mir eine Sylbe sagte: auch bin ich nicht weiter gefragt worden. Das war doch eine artige stillschweigende Anerkennung meiner Qualität. Den Spaziergänger läßt man gehen.“

Mit diesem starken Plädoyer für das Gehen endet der erste Teil des „Spaziergang nach Syrakus“. In der Tat ist es nach meiner Erfahrung auch heute die beste aller Fortbewegungsarten in der Altstadt von Syrakus, auf der Landzunge Ortigia.

Das Foto zeigt eines der historischen Stadttore: An der Westküste von Ortigia sind entlang des Foro Vittorio Emanuel II Reste der aus der Zeit spanischer Herrschaft stammenden Stadtmauer erhalten geblieben. Am nördlichen Ende dieses alten Mauerabschnitts steht das Stadttor Porta Marina, das seinerzeit den Zugang zur Stadt von der Seeseite gestattete.

Das im 15. Jahrhundert aus schweren Kalksteinblöcken bestehende Tor war stabil genug, auch das schwere Erdbeben von 1693 zu überstehen. Es ist das einzige Überbleibsel der spanischen Befestigungsanlagen, die einst die gesamte Insel umschlossen.

Syrakus – Parco Archeologico della Neapolis – Römisches Theater

Syrakus – Parco Archeologico della Neapolis – Römisches Theater

S. 354: „Wir waren nur in der Nähe, in der alten Neapolis, die aber wirklich das Interessanteste der alten Überreste enthält. Die Antiquare sind dem unermüdeten patriotischen Eifer Landolinas unendlich viel schuldig ….

Etwas weiter rechts hinauf hat Landolina das römische Amphitheater besser aufgeräumt und hier und da Korridore zu Tage gefördert, die jetzt zu Mauleseleien dienen. Die Römer trugen ihre blutigen Schauspiele überall hin. Die Arena gibt jetzt einen schönen Garten mit der üppigsten Vegetation.“

Wenn Seume neben den damals aktuellen Zuständen etwas historisch besonders interessiert hat, dann die Überreste aus der Antike. Deshalb berichtet er auch vergleichsweise viel über die Neapolis, die griechische bzw. römische Stadt, welche heute mitten in Syrakus liegt und eine Oase der (relativen) Ruhe und guter Luft ist. Auch wenn man sich nicht mit allen historischen Einzelheiten beschäftigen möchte, ein Besuch lohnt in jedem Fall.

Syrakus – Parco Archeologico della Neapolis – Griechisches Theater

Syrakus – Parco Archeologico della Neapolis – Griechisches Theater

S. 354: “Weiter rechts hinauf ist das alte große griechische Theater, fast rundherum in Felsen gehauen. Rechts, wo der natürliche Felsen nicht weit genug hinaus reichte, war etwas angebaut, und dort hat es natürlich am meisten gelitten.“

Ob die Leidensthese von Seume heute noch nachweisbar ist, ist schwer zu beurteilen, zumal bei meinem Besuch die alten Steine zum Schutz gerade für eine Freiluftveranstaltung abgedeckt wurden. Genügend Fotos ohne diese „Dekoration“ finden sich im Internet. Es bleibt festzuhalten, dass das Theater eine fantastische Lage hat, die griechischen Einwohner haben seinerzeit gut gewählt!

Syrakus – Katakomben

Syrakus – Katakomben

S. 363/364: “Die hiesigen Katakomben unterscheiden sich wesentlich von denen zu Neapel. Was beide ursprünglich gewesen sein mögen, ist wohl schwerlich zu bestimmen; aber daß beide in der Folge zu Begräbnisplätzen gedient haben, ist ausgemacht. Von den syrakusischen ließe sich vielleicht aus dem Bau mehr behaupten, daß sie ursprünglich dazu gehauen wurden. Der große Unterschied der neapolitanischen und syrakusischen besteht darin, daß in den neapolitanischen die Leichenbehälter von dem Boden aufwärts, und hier in die Tiefe der Wand hinein gearbeitet sind. Dort sind unten die größern und dann an der Wand herauf die kleinern Behälter; hier sind vorn die größern und dann weiter hin in die Felswand hinein die kleinern: so daß in Neapel das Dreieck der Lage an der Seite aufwärts, in Syrakus mit der Spitze einwärts niedergelegt zu denken ist. Beschreibung ist schwer und Zeichnung macht noch mehr Umstände; ich weiß nicht, ob ich Dir deutlich geworden bin.“

Ein Foto mit dem Smartphone aufnehmen macht heute keine Umstände mehr; ich denke die Beschreibung Seumes ist deutlich und anschaulich genug im Vergleich mit dem Bild.

Kurz nach dieser Beschreibung steht übrigens eine schöne Episode mit dem Beginn: „Hier habe ich den einzigen vernünftigen Mönch als Mönch in meinem Leben gesehen ….“

Cefalu

Cefalu

S. 400: „Endlich kamen wir in Cefalu an. Für große Schiffe ist hier wohl kein Hafen zum Aufenthalt. Der Ort hat vermutlich den Namen vom Berge, der einer der sonderbarsten ist.“

Das Foto beweist eindeutig die beiden Aussagen von Seume! Auch auf der anderen Seite der Bucht findet sich kein richtiger Hafen. Der Berg fällt fast senkrecht ab, trotzdem gibt es einen Wanderweg nach ganz oben. Nicht erwähnt wird von Seume der normannische Dom im Hintergrund, der eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges ist und im Inneren den sonst oft zu sehenden Kitsch der italienischen Kirchen entbehrt.